46. Innovationsforum: EnBW-Chef Dr. Stamatelopoulos fordert ganzheitlichen Blick auf die Energiewende

Wie kann die Energiewende gelingen, ohne die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland zu gefährden? Mit dieser Frage beschäftigte sich das 46. Innovationsforum der Anton Häring KG. Als Gastredner begrüßte das Familienunternehmen den Vorstandsvorsitzenden der EnBW Energie Baden-Württemberg AG, Dr. Georg Stamatelopoulos. Vor Gästen aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Bildung sprach er darüber, wie eine bezahlbare, klimafreundliche und sichere Energieversorgung langfristig gewährleistet werden kann.

In ihrer Begrüßung betonte Miriam Häring, Geschäftsleiterin der Anton Häring KG, die Notwendigkeit, die Energiewende gesamthaft zu betrachten. Entscheidend sei nicht die isolierte Optimierung einzelner Technologien, sondern deren Zusammenspiel zu einem funktionierenden und bezahlbaren Energiesystem. Gleichzeitig unterstrich sie die Bedeutung wettbewerbsfähiger Rahmenbedingungen für den Industriestandort Deutschland. Für international tätige Unternehmen seien diese maßgeblich für Investitionsentscheidungen. Eine starke Industrie sei jedoch die Voraussetzung, um die Transformation überhaupt finanzieren und vorantreiben zu können. Deshalb müsse es gelingen, das Energiesystem langfristig wirtschaftlicher zu gestalten, anstatt hohe Kosten dauerhaft staatlich auszugleichen.

Unter dem Titel „Energiewende gesamthaft denken: Wie wir bezahlbare Energie für den Standort Deutschland sichern“ zeigte Dr. Georg Stamatelopoulos auf, wie die Transformation des Energiesystems langfristig erfolgreich gestaltet werden kann.

Im Mittelpunkt seines Vortrags standen drei wesentliche Ziele der Energiewende: Bezahlbarkeit, Klimaschutz und Versorgungssicherheit. Diese gelte es miteinander in Einklang zu bringen, um langfristig eine leistungsfähige und wettbewerbsfähige Energieversorgung sicherzustellen.

Der EnBW-Vorstandsvorsitzende erläuterte die umfangreichen Investitionen seines Unternehmens in erneuerbare Energien, den Ausbau der Stromnetze und die Ladeinfrastruktur. Gleichzeitig verdeutlichte er, dass der Ausbau erneuerbarer Erzeugungskapazitäten allein nicht ausreiche. Entscheidend sei das Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen: leistungsfähige Stromnetze und schnellere Netzanschlüsse, zusätzliche flexible Erzeugungs- und Speicherkapazitäten sowie eine intelligentere Steuerung des Stromverbrauchs.

Insbesondere wasserstofffähige Gaskraftwerke könnten dazu beitragen, die Versorgung auch während sogenannter Dunkelflauten sicherzustellen. Gleichzeitig biete die Digitalisierung neue Möglichkeiten, Verbrauchsspitzen besser auf die Verfügbarkeit erneuerbarer Energien abzustimmen. Neben dem weiteren Ausbau erneuerbarer Energien seien dafür auch wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen erforderlich.

Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags lag auf der Wirtschaftlichkeit der Energiewende. Anhand der Ergebnisse einer von EnBW beauftragten Systemkostenstudie verdeutlichte Dr. Stamatelopoulos, welche Einsparpotenziale durch eine stärker am tatsächlichen Bedarf orientierte Weiterentwicklung des Energiesystems entstehen können.

Dabei gehe es nicht darum, die Klimaschutzziele infrage zu stellen, sondern die Transformation insgesamt effizienter zu gestalten. Der Ausbau erneuerbarer Energien, der Stromnetze, der Speicher und der gesicherten Erzeugungskapazitäten müsse besser aufeinander abgestimmt werden. Eine solche gesamthafte Betrachtung könne dazu beitragen, Kosten zu reduzieren und gleichzeitig die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Dass eine ganzheitliche Betrachtung auch auf regionaler Ebene an Bedeutung gewinnt, zeigte ein Beispiel aus der Region Heuberg. Miriam Häring verwies auf die Aktivitäten der Heuberg Energie GmbH, bei der Kommunen und Unternehmen gemeinsam an zukunftsfähigen Energiekonzepten arbeiten. In Bubsheim wird beispielsweise ein Projekt verfolgt, das Photovoltaik, Batteriespeicher und die direkte Energieversorgung eines Industriebetriebs miteinander verbindet.

Solche regionalen Ansätze könnten die übergeordneten Herausforderungen der Energiewende zwar nicht allein lösen, verdeutlichten jedoch, welche Möglichkeiten durch die intelligente Verknüpfung unterschiedlicher Technologien entstehen. In der anschließenden Diskussion zeigte sich, dass insbesondere beim Ausbau der Netzinfrastruktur, der Flexibilisierung des Energiesystems und der Sicherung wettbewerbsfähiger Energiepreise gemeinsame Prioritäten zwischen Energieversorgung und Industrie bestehen.

„Die Energiewende wird nur dann dauerhaft erfolgreich sein, wenn sie Bezahlbarkeit, Klimaschutz und Versorgungssicherheit gleichermaßen berücksichtigt. Für den Industriestandort Deutschland kommt es jetzt darauf an, das Energiesystem pragmatisch und effizient weiterzuentwickeln“, sagte Dr. Georg Stamatelopoulos.

Mit dem Innovationsforum setzt die Anton Häring KG ihre langjährige Veranstaltungsreihe fort. Ziel ist es, Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft mit Vertreterinnen und Vertretern der Region zusammenzubringen und den Austausch über zentrale Zukunftsthemen zu fördern. Das 46. Innovationsforum verdeutlichte, dass eine erfolgreiche Energiewende nicht allein vom Ausbau erneuerbarer Energien abhängt, sondern vor allem vom Zusammenspiel aller Komponenten eines leistungsfähigen, sicheren und bezahlbaren Energiesystems.

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